Pfarrei Herz Jesu in Regensburg

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Ansprache zum Missbrauchsgutachten aus der Diözese München

Liebe Schwestern und Brüder,
mich bewegt heute zweierlei: erstens möchte ich jetzt in der Gebetswoche für die Einheit der Christen uns allen diesen Auftrag Jesu ans Herz legen:
Unsere verschiedenen Konfessionen haben ihre Berechtigung – gerade wegen ihrer Unterschiede. Es wäre gar nicht wünschenswert, sie zu verschmelzen. Doch es ist notwendig, dass wir einsehen und verstehen: die Unterschiede trennen uns nicht von Jesus. Sie dürfen uns nicht daran hindern, das Brot miteinander zu brechen und freudig zusammenzukommen. Unsere Bischöfe sollten endlich aufhören, dies zu blockieren.
– wie das manche Bischöfe getan haben, als es um die Möglichkeit ging, dass ev. Ehepartner zusammen mit ihrem katholischen Partner zur Kommunion gehen.

Damit zusammenhängt das Zweite, was mich bewegt:

Das ist natürlich die Veröffentlichung des Gutachtens über die sexuelle Gewalt seit 1945 in unserem Nachbarbistum vor wenigen Tagen: Seit 1945 haben alle Bischöfe und ihre Generalvikare und Personalverantwortlichen unzureichend reagiert, wenn Priester oder andere kirchliche Mitarbeiter Menschen durch sexualisierte Gewalt schweren und schwersten Schaden zugefügt haben.

Dabei beschäftigt mich natürlich die gleichen Fragen, die von Journalisten gestellt werden: Warum wurde nicht anders gehandelt? Was sind die tieferen Gründe? Gibt es überhaupt entlastende Umstände?

All das wird in der Öffentlichkeit jetzt ausgiebig diskutiert und die Verantwortlichen werden dafür angeklagt.

Mich beschäftigt aber eine andere Frage: Wie kann ich mir und ihnen und wie können wir unseren Bekannten und Freunden erklären, dass wir dennoch als Kirche zusammenhalten.

Der einzige Grund für mich ist: Ich glaube an Jesus und ich glaube ihm, der seine Sendung so beschrieben hat: Ich bin gekommen, um die Zerschlagenen in Freiheit zu setzen.

Genau das hat er in seinem Leben getan und er hat uns beauftragt es auch zu tun.

Und wenn es noch so viele Christen gibt, und auch Bischöfe, die diesen Auftrag nicht erfüllt haben, ja sogar selbst mitschuldig oder schuld daran sind, dass Leid zugefügt wurde – so glaube ich an diese Sendung durch Jesus von Nazareth. Und ich weiß, dass viele Christen diese Sendung in berührender und bewundernswerter Weise erfüllen.

Allerdings es ist mir ganz und gar nicht gleichgültig, dass in meiner Kirche sexualisierte Gewalt gedeckt wurde und vielleicht immer noch wird.

Mag das ein Problem der ganzen Gesellschaft sein – aber in der Kirche darf das nicht sein und hätte nie sein dürfen.

Wir müssen unsere Kirche verändern. Diese Kirche braucht einen Heilungsprozess und es nicht nur eine Krankheit, an der wir leiden.
Und wie Paulus es so eindrucksvoll meditiert: Leidet ein Glied, dann leiden alle Glieder mit. Deshalb dürfen auch die leitenden Personen nicht sagen, das sei ihre Sache. Es ist unser aller Sache, dafür zu sorgen, dass sich die Kirche ändert.

Und unser Beitrag kann nur sein, dass wir die Missstände benennen,
dass wir Änderungen vorschlagen und fordern.

Viel zu lange schon leben die Bischöfe und auch Pfarrer in Palästen und sind ausgestattet mit Herrschaftszeichen; Stab und Mitra und Priester­kragen. So konnten die Krankheiten des Hochmuts, der Unbelehr­barkeit und der Gefühlskälte Einzug halten.

Wir Katholiken dürfen uns nicht mehr widerspruchslos gefallen lassen, wenn ein Bischof das, was sehr viele Katholiken denken und wollen völlig missachtet und stattdessen seine Meinung als die einzig Richtige und Denkbare darstellt. Ersparen wir uns die immer gleichen Beispiele.

Es kann nicht mehr sein, dass jemand aufgrund seines Amtes sagt: Die Sache ist entschieden, weil ich es will. Vielmehr müssen die „Oberen“ auf jeder Ebene der Kirche mit Macht daran erinnert werden, dass sie verpflichtet sind, auf die zu hören, deren Leitung ihnen anvertraut ist.

Die geweihten Amtsträger in der Kirche sind nicht zu Herrschern geweiht, sondern dafür, für das Volk die Sakramente zu feiern, diese Zeichen, in denen uns Gottes Kraft zugesprochen wird. Sie sind gesandt, die frohe Botschaft Jesu zu verkünden und auszulegen.

Ganz offenbar ist es notwendig, dass aber das Volk Gottes, also Laien, zur rechten Zeit den geweihten Amtsträgern deutlich macht, welche praktischen Folgerungen daraus zu ziehen sind.

Wenn Laien stark auftreten, ist das ein erstes Zeichen, dass die Heilung beginnt.

Nur Mut!

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